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Langes Schweigen
Ein gutes Jahr war nichts mehr zu lesen von mir. Warum? Es hatte seine
Gründe.
Parkplatzende - ein Auslöser
Der Absturz unseres BDSM-Lebens kam schleichend. Dass meine Entscheidung,
keine Freude mehr am Parkplatzsex zu haben, derartige Auswirkungen haben
wird, kam erst sehr viel später zur Sprache.
Im zweiten Halbjahr 2003 trat ja meine Domina-Seite ans Tageslicht, lenkte
zuerst von der Tatsache ab, dass Thomas sich von unserem dom/dev-Leben immer
mehr zurückzog. Ein letztes Mal dass er mit mir richtig "spielte" war im Januar
2004. Hin und wieder ein kurzes Aufflackern von dom/dev, aber nicht wirklich
der Rede wert.
Thomas nahm damals meine Entscheidung zur Kenntnis und bezog aber meine
fehlende Freude auf unser gesamtes BDSM-Leben. Ein böses Missverständnis, er
verlor seine Freude daran, gab seine Bereitschaft immer mehr auf, zu handeln.
Beinahe das Aus
So kam es natürlich, dass Frust und Enttäuschungen auf beiden Seiten nicht
ausblieben. Wir wurden immer verletzlicher, Auseinandersetzungen waren
vorprogrammiert.
Mein Abstand zur Sklavin wurde größer, ich lebte nur noch meine Domina.
Zeiten folgten, in denen ich mein Halsband ablegte, es wieder trug für eine
kurze Zeit, eine gewisse Sinnlosigkeit darin sah, es wiederum ablegte.
Im letzten Vierteljahr 2004 spitzte sich die Situation zu. Im November 2004
schrieb ich ihm eine Mail, dass ich unser dom/dev mit ihm nicht mehr leben
kann, es die Sklavin nicht mehr gibt. Thomas' Reaktion darauf: er sei nicht
bereit, sich die Sklavin vor die Füße werfen zu lassen, unsere Beziehung zu
gefährden, nur weil er aus Rücksicht auf mich sich verbogen hätte. Harte
Worte, die mal wieder zu einem Gespräch führten.
Warum verbogen?
Es zeigte sich, dass Thomas in die klassische Falle geriet, Spiel mit der
eigenen Partnerin. Was meine ich damit?
Hin und wieder hörten wir von anderen, dass sie es schwierig empfinden, mit
der eigenen Frau eine "harte" Gangart zu spielen, leichter wäre es für sie,
mit Fremdfrau. Die eigene Frau liebt und respektiert man (Fremdfrau
respektiert man selbstverständlich auch). Aber man führt auch eine ganz
normale Beziehung des Alltags. Es ist eine Gratwanderung, sich mit der
Partnerin auf Grenzverschiebungen einzulassen, bei denen sich hin und wieder
herausstellen könnte, dass diese Verschiebung nicht ganz im Sinne war.
Sicher, man redet anschließend darüber, klärt das Ganze und gut ist, könnte
man meinen. Aber so ganz einfach ist das alles nicht. Es macht auf Dauer
keinen Spass, als Dom feststellen zu müssen, dass Sub nicht wirklich
mitkonnte, auch wenn geregelt ist, dass Sub sich bewußt darauf einlassen
möchte.
Thomas bekam immer öfter von mir zu hören, da mir ja ein gewisser Level
mittlerweilen fehlte, dass ich nicht wirklich weiß, ob ich Freude mit
mehreren Fremdspielen hätte. Aussagen, die dazu führten, dass er erst gar
nicht versuchte und seine allgemeine Bereitschaft zu dom/dev immer mehr
zurückzog. Er mag nun mal die ordinäre, versaute Frau, etwas, das ich ihm
immer öfters entzog.
Meine Reaktionen
Wie gesagt, mir fehlte der gewisse Level, den Subbie unbedingt braucht, um
ebenfalls Bereitschaft zeigen zu können, sich auf das "Spiel" von dom/dev
einlassen zu können.
Wer nun meint, wieso, Sub ist doch naturveranlagt, mag vielleicht in
gewisser Weise recht haben, nur vergisst er dabei, dass mit diesem Erhalten
des Levels auch eine gewisse Aufmerksamkeit Sub gegenüber verbunden ist.
Wenn diese fehlt, wirds auch aus und vorbei sein mit der
Naturveranlagung.
Ich führte viele Gespräche mit einer mir mittlerweilen lieben vertrauten
Freundin, die ebenfalls als Sklavin zusammen mit ihrem Partner lebt, ihre eigenen Abstürze
kennt. An dieser Stelle nochmal ein dickes Dankeschön für ihr stets offenes
Ohr in dieser nicht einfachen Zeit *smile*.
Ich fühlte mich natürlich verletzt, zurückgewiesen, als Frau nicht mehr
anerkannt, denn auch unser Sexualleben litt allmählich darunter. So ging ich
auf Distanz, entzog mich Thomas immer mehr, ließ ihn an meiner,
mittlerweilen selten gewordenen Geilheit nicht mehr teilhaben. Sprich, wenn
ich mit meinem Vibbi spielten, dann nur noch, wenn ich alleine war.
Meine Verletztheit ging soweit, dass ich daran dachte, mich von Thomas zu
trennen, wenn nur diese Emotionen nicht wären, dass ich ihn ja eigentlich
liebe und es sich lohnt, um unsere Beziehung zu kämpfen.
Die letzten Tage
Schön waren sie nicht. Kurze Annäherung von Seiten von Thomas. Ich war
mittlerweilen soweit, mir zu überlegen, Geilheit zulassen, oder nicht. Ich
ließ zu, Ende war, dass am Schluß wieder mal Frust rauskam. Schweigen
herrschte zwischen uns, Tränen meinerseits, Überlegen, doch zu beenden.
Gestern (23.01.2005) dann endlich nochmal ein Gespräch. Diskussionen, die
sich im Kreis drehten, fast wieder zu einem Streit geführt hätten. Aber ich
hatte keine Lust mehr zu streiten, wollte einfach nur noch seine Nähe
spüren. Ein kurzes scherzhaftes Geplänkel und da war sie auf einmal, meine
Lust, spürte zum ersten Mal wieder seit langer Zeit, ihm diese Lust auch zu
zeigen
Ich erkannte blitzartig, dass hier mein Fehler lag, nach dem ich monatelang
gesucht hatte. Mein Rückzug bestärkte Thomas in seiner Meinung, dass meine
Freude nicht mehr vorhanden sei. Ein böses Spiel, das man hin und wieder mit
sich selber treibt *seufz*.
In diesen Minuten konnte ich erstmals wieder ein klares "JA" zur Sklavin
sagen, von der ich fest glaubte, dass es sie nicht mehr gäbe.
Warum ich das hier schreibe?
Dieser Absturz gehört zu unserem Leben. Zu viele Seiten, die sich mit BDSM
beschäftigen sind mir zu glatt, zu geschönt. Man scheut sich, in der
Öffentlichkeit zuzugeben, dass es auch sogenannte Aus-Zeiten geben kann. Die
"Szene", welche sich sooo tolerant nennt, zeigt oft ein anderes Bild. Sätze
wie, "na, hast du deine Sklavin nicht mehr im Griff?.. etc" fallen da sehr
leicht. Sehr bewußt muß man sich Menschen aussuchen, mit denen man wirklich
offen reden kann. Ich freue mich, solche Menschen zu kennen.
Von anfang an wollte ich eine Seite hier schreiben, in der es nicht nur um
tolle Stunden geht. Für mich gehören Ängste, Überlegungen und auch Abstürze
einfach mit dazu.
Schlussbemerkung
Wo wir genau stehen, wissen wir noch nicht. Es wird ein langsames
Herantasten werden, vielleicht müssen wir ganz weit vorne wieder beginnen.
Aber es ist nicht wichtig. Was zählt, dass wir wieder beginnen, unsere
Freude aneinander wieder entdecken
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